Kleine Betrachtung in eigener Sache

Vor exakt 30 Jahren, am 15. April 1986 in den Vormittagsstunden, verließ eine Malerbrigade, die soeben die letzten Striche an den Wänden vorgenommen hatte, das Haus am Leutewitzer Ring in DD-Gorbitz durch die Hintertür, während am Eingang nach kurzer Rede das Band zur Eröffnung des Parteitagsobjektes „Wohngebietsklub Gorbitz“ durchschnitten wurde.
Nach kurzer Bauzeit in Plattenbau–Technik wurde in nur wenigen Wochen vom Nutzungskonzept bis zur Ausstattung alles zusammengebracht, was zur Ausrichtung von Veranstaltungen mit gastronomischer Versorgung erforderlich war. Inhaltlich waren Konzerte, Liedermacher, Folklore, Kabarett, Jazz, Pop und Rock, auch Klassik und „Bunkis Gitarrenladen“ die ersten Angebote, um zunächst den Bedarf des Publikums auszuloten. Kino kam später hinzu, Ausstellungen, Kabarett, Vorträge. Und Tanzabende!!! 1988 war das Profil gefunden und gefestigt, da ging der Staat bereits in die Endphase seiner Existenz...
Vieles hat sich mit dem Ende der DDR verändert, die „geselligen Abende“ zum Einander-Kennenlernen der Hausgemeinschaften wurden nicht mehr nachgefragt... Nach kurzer Dürreperiode zwischen Währungsunion und 1991 gab es wieder Tanz, Lesungen, Kleinkunst und natürlich Konzerte fast aller Sparten.

1993 wurde das Haus komplett modernisiert und somit mit seiner Ausstattung den Anforderungen an eine kulturelle Spielstätte besser gerecht. Das Profil des Clubs und die Inhalte unserer Arbeit haben sich mit den neuen, nach 1990 wirklich internationalen Möglichkeiten verändert und rasant erweitert.
Konzerte, mit Schwerpunkt auf Gitarrenmusik, Weltmusik, Liedermacher, Kabarett und Lesungen sind ebenso regelmäßig im Programm zu finden wie Kurse und Kinderangebote. Zahlreiche Familienfeiern fanden hier ihren gemütlichen Rahmen.
Einige Jubiläen haben wir bereits gefeiert - da wir etwas von Traditionen halten, gibt es eigentlich immerzu beachtliche Jahrestage zu begehen... Noch in diesem Jahr findet das 23. (Kleine) Dresdner Gitarrenfest (diesmal im Club und leider ohne Gitarrenausstellung…) und das bereits 8. Dresdner Gitarren-sommercamp (seit 2009) statt.

Wiederkehrende Konzerte und Veranstaltungen, wie Wenzel, MTS, Haase, BANDANA, Zöllner & Gensicke, Jörg Kokott, und und und... sowie Workshops und Ausstellungen bilden den Rahmen für ein anspruchsvolles Kleinkunstprogramm und zeichnen eindrucksvoll den Werdegang so mancher Publikumslieblinge! Hinzu kommen natürlich regelmäßig junge Künstler, neue Talente mit bereichernden Angeboten. Kinder und Jugendliche des Wohngebietes nutzen begeistert unsere Veranstaltungspalette in den Vormittagsstunden. So ist es gelungen, über viele Jahre ein interessiertes, dankbares Publikum zu erobern und zu halten.

Das Medium Film erschien bereits in früher Zeit hier und da im Veranstaltungsplan, fand jedoch erst 1994 mit unserem Programmkino seinen festen Platz. Regelmäßig sind seither die Angebote sonntags bis mittwochs, zunächst analog mit ratternder TK 35 und 35mm Filmrollen. Seit 1995 findet man unser Filmangebot im Sommerkino „Cinema Paradiso“, die Kleinkunstscheune der Zschoner Mühle ist uns dafür bis 2015 zur romantischen Heimstatt geworden. Das Ende der 35mm-Technik bedeutet leider auch das Ende dieser liebgewordenen Spielstätte, unser Sommerkino findet nun bereits in diesem Jahr digital und mit aktuellen Filmen im Club PASSAGE statt.
Bereits seit Januar 2015 haben nun auch wir digitales Kino! Strahlender, schöner, aktueller, moderner! Gefördert wurde die Umstellung von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, kofinanziert vom Freistaat Sachsen.

Seit Januar 2005 ist das Haus am Fuße der Gorbitzer Mittelachse Teil der JugendKunstschule Dresden, längst haben wir Aktivitäten und Zusammenarbeit auch in die anderen Außenstellen verlagert.

Noch etwas Statistik? Sie besagt, dass der Club PASSAGE in 30 Jahren mehr als 330.000 Gäste zu 10.700 Veranstaltungen, Kursen und anderen Aktivitäten begrüßen konnte. Bedenkt man die Größe unserer Räume mit einer Platzzahl zwischen 60 und 100 Stühlen, können sich diese Zahlen sehen lassen.
In den letzten Jahren haben sich die Zahlen eingepegelt auf etwa 340 Aktivitäten mit 8.500 bis 9.000 Gästen von Januar bis Dezember.

Drei Jahrzehnte kurz zusammenzufassen scheint unmöglich. Wer sich für die Einzelheiten interessiert, dem empfehlen wir unsere Broschüren, die zum 20. und 25. Jubiläum herausgegeben wurden und im Club erhältlich sind. Auch für die vergangenen fünf Jahre wird es demnächst eine Fortsetzung geben, an der noch gearbeitet wird.

Fest steht, dass der Club PASSAGE ein Stück Dresdner Kulturgeschichte geschrieben hat und vielen Künstlern begehrte Bühne und angenehmer Arbeitsort war und ist. Einzigartig im Ambiente, hat sich die Kulturstätte am nicht ganz unkomplizierten Standort wacker geschlagen.

Begehen werden wir unser Jubiläum mit dem, was wir am besten können: Mit schönen Veranstaltungen, sympathischen Künstlern und unserem Publikum. Schenken Sie uns Ihr Interesse und Ihren Besuch!

Wer Geburtstag hat, darf sich etwas wünschen?
Wir wünschen uns aufgeschlossene, geneigte Planer in der Stadtverwaltung, die Alltags- und Stadtteilkultur für ebenso wichtig halten wie etwa Philharmonie, Kulturkraftwerk, Theater und Operette. Bleibt zu hoffen, dass auch am Gorbitzer Hang im erforderlichen Maße investiert wird, denn auch Technik und Bausubstanz sind etwas in die Jahre gekommen...

Wir wünschen uns viele treue Besucher, die mit der Nutzung unserer vielseitigen Angebote deutlich machen, dass wir gebraucht werden und uns damit in unserem Bemühen unterstützen, das Kleinod PASSAGE als Kultur- und Bildungsstätte weiterhin zu erhalten.

Andree Ströhla

Dresden im April 2016